Das Kernproblem sofort
Unter Kovac steht die Frage im Raum: Wie viel Ballbesitz ist noch sinnvoll, bevor die Mannschaft in die Falle des Passfangs tappt? Der BVB hat in der Saison bereits ein paar Spiele mit über 60 % Besitz übertroffen, doch das Ergebnis war ein Flickenteppich aus wenigen Chancen und vielen Gegentoren.
Ballbesitz – das glänzende Messer
Ballbesitz kann wie ein Rasiermesser wirken: Schneidet er präzise, glänzt er und schärft das Team. Kurzzeitige Kontrolle lässt das Mittelfeld atmen, gibt den Flügeln Raum, lässt die Defensive entspannt zurück. Hier gilt die Devise: „Je länger, desto besser“, nur solange das Pressing nicht durch das Gegentor überrollt wird.
Gefahren, wenn’s zu lange dauert
Wenn das Pressing zurückrückt, wird das Spiel zu einer „Sitzburg“. Der Gegner findet Lücken, die beim schnellen Umschalten entstehen – das ist das eigentliche Risiko. Der BVB hat das in den letzten Spielen mit 68 % Besitz gesehen: Die Mannschaft wirkte wie ein Bummelzug, der zu spät aus dem Bahnhof kommt.
Umschaltspiel – die Sprengkraft
Umschalten ist kein Zufall, es ist ein Drill. Man gewinnt den Ball, knackt sofort einen Pass nach vorne und lässt den Gegner im Rückzug ersticken. Der Schlüssel liegt im Timing: 1,5 Sekunden vom Ballerobern bis zum letzten Pass, sonst verliert man das Momentum.
Kovac’s Taktik-Schalter
Er setzt jetzt einen 4‑3‑3‑Wagen ein, bei dem die Außenverteidiger sofort nach Ballgewinn in die Offensive schießen. Das macht die Raummanipulation flexibel, weil das Team nicht mehr auf statischen Ballbesitz angewiesen ist. Außerdem wird die Laufwege‑Koordination zwischen dem Spielmacher und den Flügelspielern geschärft.
Der Mittelspann – wo die Balance liegt
Hier ein Bild: Der Ballbesitz ist das ruhige Wasser, das Umschalten das Sturmboot. Zu viel Ruhe lässt das Boot verkratzen, zu viel Sturm lässt das Wasser aufreißen. Kovac muss die Mannschaft trainieren, dass das Wasser bei jedem Ballgewinn sofort in Bewegung gerät, ohne zu viel zu pusten.
Praxisbeispiel
Im letzten Derby gegen Dortmund hielt BVB den Ball 55 % der Zeit, doch das Umschalten erfolgte erst in der 68. Minute – zu spät. In einem Spiel gegen Mainz dagegen war der Besitz nur 48 %, das Umschalten jedoch bis zur vierten Sekunde nach Ballgewinnen, und das Ergebnis war ein klarer 3:0-Sieg.
Was das für das Training bedeutet
Statt endloser Passübungen sollten kurze, intensive Umschalt-Drills eingebaut werden. 5‑gegen‑5 auf kleinem Feld, bei dem das Team nach Ballgewinn sofort in drei Pässe zum Tor schießen muss. Der Ballbesitz wird danach nur noch als Mittel gesehen, nicht als Endziel.
Ein letzter Rat für die Coaching‑Crew
Schluss mit dem Ballbesitz‑Ego. Setzt auf schnelle Konter, prüft die Laufwege nach jedem Pass und verankert das Prinzip: „Ball gewinnen, sofort schießen.“ Wenn das umgesetzt wird, gibt’s keine halben Sachen mehr – sofort das Training starten.
